Wer aktuell über Künstliche Intelligenz in der Pflege redet, kommt um das Thema voize nicht herum. Doch was ist voize und wie verändert es die moderne Pflege?
Während des Arbeitsalltages hat eine Pflegefachkraft bis zu 290 pflegerische Maßnahmen zu dokumentieren. Klassischerweise wird dieser Arbeitsschritt entweder nach der Pflege jedes Klienten durchgeführt, oder am Ende der Schicht. In beiden Fällen entsteht ein Problem: die weitere Pflege muss für die Dokumentation unterbrochen werden oder Informationen gehen verloren.
Hier hakt voize ein. Mit voize kann die Dokumentation von pflegerischen Maßnahmen per Spracherkennung am Smartphone erfolgen und das noch während gepflegt wird.
Wie funktionierts? Die Pflegekraft unterhält sich mit dem Klienten – während der Ambient Modus eingeschaltet ist. Im Laufe des Gesprächs fallen relevante Stichwörter über Vitalwerte, Maßnahmen und Beobachtungen. Diese Informationen erfasst voize mittels eigens dafür entwickelter Spracherkennungs-KI und ordnet sie relevanten Kategorien zu, wie zum Beispiel Medikamenten- oder Schmerzdokumentation oder dem Trinkverhalten. Nach der Visite kann dann die Pflegekraft diese Informationen kurz überprüfen und final ans Pflegedokumentationssystem abschicken. Fertig! Der Vorteil? Es kann nichts vergessen werden, mehr Infos werden erfasst und die Dokumentation erfolgt schnell und zeitnah.
voize ist ein einfaches und intuitives Eingabeinstrument für etablierte Pflegedokumentationssysteme von Herstellern wie Connext vivendi oder Medifox DAN. Laut einer Pilotstudie von voize konnten die Pflegekräfte eine Zeitersparnis von 39 Minuten pro Schicht erzielen (vgl. „Pilotstudie – Auswirkungen des Sprachassistenten voize auf die Dokumentationszeit“).
Im Pflege Digital Podcast von Christoph Schneeweiß (Folge vom 27. Juni 2023) beschreibt voize-Mitgründer Marcel Schmidberger die größten Herausforderungen und Learnings seit der Gründung des Pflegetec-Startups. Er sagt dort beispielsweise, dass die Spracherkennung ein kritischer Erfolgsfaktor gewesen sei. Um auf Akzeptanz zu stoßen, musste die Technologie zuverlässig mit Hintergrundgeräuschen umgehen und Nicht-Muttersprachler verstehen, ohne notwendige, nachträgliche Korrekturen. Man habe ebenso festgestellt, dass die Anforderungen an Anwendungen stiegen, sobald diese auf mobilen Endgeräten verfügbar waren. Es wurde erwartet, dass Daten und Berichte in Echtzeit abgerufen werden können. Hier stößt man allerdings bis heute auf technische Herausforderungen: Die meisten größeren Pflegeeinrichtungen haben zwar eine zentrale Serverinfrastruktur, diese ist aber oft nicht auf Echtzeit Datensynchronisation ausgerichtet. Daher geht der Trend auch hier seit Jahren immer mehr in Richtung Cloud. Das Problem, das bleibt sind fehlende, flächendenkende WLAN-Ausleuchtungen. Erst diese ermöglicht eine kontinuierliche Echtzeitdatenübertragung.
